
Dass der konventionelle LEH (Lebensmitteleinzelhandel) zunehmend Bio für sich entdeckt, ist nichts Neues. Diese Entwicklung nimmt seit mittlerweile einigen Jahren ihren Lauf:
Seit Jahrzehnten befindet sich der konventionelle LEH, und hier besonders die großen Discounter, in einem Preiskrieg. Es findet eine regelrechte Kannibalisierung statt: Wer bestimmte "Key-Produkte" wie Butter, Milch, Eier und diverse Super-Schnäppchen-Tiefpreis-Sonderangebote zum billigsten Preis anbietet, gewinnt den Kampf um den Kunden. Wer nur wenige Cent über dem billigsten Anbieter liegt, verliert.
Leidtragender der Tatsache, dass man mit konventionellen Lebensmitteln heutzutage kaum noch sinnvolle Erträge erwirtschaften kann, ist der Verbraucher: Wo derart massives Preisdumping stattfindet, leidet zwangsläufig die Qualität. Das ist eigentlich jedem klar, und dennoch findet diese Entwicklung in Form einer Abwärtsspirale mit einer beachtlichen Dynamik statt. Die traurige wie logische Konsequenz sind oftmals und zunehmend Lebensmittelskandale, immer häufiger geraten in letzter Zeit beispielsweise ekelerregende "Gammelfleisch"-Skandale ans Licht der Öffentlichkeit.
Die Preisdumping-Potentiale im konventionellen LEH sind langsam, aber sicher ausgeschöpft - was also liegt näher, als sich einfach ein neues Feld zu erschließen, das man in dieser Form "bearbeiten" kann? Und so kommt es, dass wir immer mehr Regale mit Bio-Ware in den "normalen" Supermärkten und Discountern vorfinden. Meist handelt es sich dabei um Eigenmarken, die mit dem Biosiegel nach EG-Öko-Verordnung versehen sind.
Eine neue Runde läutet nun die
Schwarz-Gruppe ein, der mit Lidl, Kaufland, Kaufmarkt und Handelshof drittgrößte Lebensmittelhandelskonzern Deutschlands: Sie hat bei der Hauptversammlung der Basic AG Anfang August den bisherigen Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreitet. Die Basic AG ist (nach Alnatura) der zweitgrößte Bio-Supermarkt-Fillialist Deutschlands.
Diese voraussichtliche Übernahme sorgt für Aufregung: Beispielsweise hat
Attac München die Aktion "
Kein Lidl im Bioladen" ins Leben gerufen, und die dennree GmbH, der wichtigste Großhandel für Naturkost in Deutschland, kündigte an, die Basic AG fortan nicht mehr beliefern zu wollen, wenn diese tatsächlich von der Schwarz-Gruppe kontrolliert werden sollte.
Branchenweit herrscht großes Unverständnis darüber, dass Vorstand und Aktionäre der Basic AG ausgerechnet Lidl ins Boot holen: Bereits mehrfach ist Lidl in der Vergangenheit durch seine teils sehr fragwürdige Geschäftspolitik in die Schlagzeilen geraten. So landete Lidl im Sozial-Ranking des Manager-Magazins Anfang 2007 auf Platz 119 - von 120... Das Ranking umfasste die 120 größten Unternehmen Europas. Aldi belegte den 118. Platz.
Für Unruhe sorgt die geplante Übernahme durch Lidl sogar innerhalb der Basic AG: Die Basic-Mitgründer Richard Müller und Georg Schweisfurth lehnen Lidl als Partner ab und erfuhren nach eigenen Angaben erst von der Beteiligung, als diese bereits beschlossene Sache war. Basic-Finanzvorstand Johann Priemeier und Basic-Vorstandsvorsitzender Josef Spanrunft haben sich dagegen für die Lidl-Beteiligung ausgesprochen. Im Aufsichtsrat genehmigten Hilmer Muhle, der Vorsitzender im Aufsichtsrat der Rapunzel Naturkost AG ist, sowie Theo Häni die Übernahme. Die Übernahme dürfte sich die Schwarz-Gruppe rund 50 Millionen Euro kosten lassen, was angesichts von 44 Milliarden Euro Jahresumsatz im In- und Ausland für die Schwarz-Gruppe vermutlich in die Größenordnung "Portokasse" fällt.
Sehr interessant sind in diesem Zusammenhang folgende Links:
Wirtschaftswoche: "Eigenes Grab für die Biobranche"
"
Saftblog.de: Geld verdirbt den Charakter" (Artikel und Diskussion im "Saftblog" der Kellerei Walther)